Mittwoch, 10. Juni 2009

Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann


Foto von Hans Weingartz (Hofgarten der Uni Bonn, 1979)

"Unsere Kinder sollen lachen, nicht strahlen!" Glücklicherweise wurde ich mitten in die Protestwelle gegen Atomkraftwerke in den 80er Jahren hineingeboren, und musste sie deshalb nur ansatzweise miterleben. Vollkornbrot aus selbst geschroteten Körnern, naturtrüber Apfelsaft und selbst gestrickte Pullover waren für mein Empfinden bereits genug - Demokratische Abstimmungen beim Abendbrot, Sätze ála "Du musst das wirklich selbst entscheiden, ich setz' dir da keine Grenzen" und Gruppentreffen zum Thema "Singen für den Frieden" inklusive trockenen Brötchen aus dem Reformhaus und lauwarmem Hagebuttentee blieben mir glücklicherweise erspart. (Moment - beim letzten Punkt bin ich mir nicht mehr so sicher!)

Meine Kindheit hat mich dennoch sehr geprägt - Erlebnisse dieser Art haben dazu geführt, dass ich nun politisch Grün wähle, gelegentlich selbst Grünkernbratlinge in die Pfanne werfe und ernsthaft überlege, Ökostrom zu beziehen. Erst vor kurzem brachte mir der Herr grinsend einen "Atomkraft - Nein Danke!"-Aufkleber mit... Umso mehr fühlte ich mich deshalb zuhause in meiner letzten Lektüre, dem Buch "Irgendwie, Irgendwann" von Verena Carl. Das Buch handelt von der zwölfjährigen Lolita, von allen Lola genannt, deren Mutter in einer lesbischen Beziehung lebt und in deren Umkreis die Frauen aufkreischen, wenn man das weibliche Pendant in der Ansprache weglässt. (Kommt mir bekannt vor - oder warum genau habe ich einen Studentinnenausweis?)

Doch auch wenn Lola in erster Linie Angst vor dem sicherlich bald eintretenden Waldsterben und der Atombombenbedrohung hat, gibt es viel wichtigere Probleme: Die Pubertät! Und wenn man dann auch noch in einen 25 Jahre älteren Mitdemonstranten verliebt ist, wird die Sache nicht leichter. Lola meistert es auf eine verwirrte Art und Weise, die mich an mich selbst erinnert - und Nostalgie ist bei mir ja sowieso gerade ein großes Thema!

Kommentare:

Maike Hemmers hat gesagt…

bei mir gabs die selbstzusammen gemixte cola ausm reformhaus und doch bitte niemals plastiktüten ausm laden anzunehmen, sondern immer stoffbeutel dabeihaben!
als heranwachsene nervt sowas ja doch immer, aber ein grünes herz habe ich heute auch noch und stofftüten sind jetzt auch pflicht!

apfelmeedchen hat gesagt…

ohja. die cola. von hobbythek. pühh... die gabs aber nur ganzganz ausnahmsweise...
na. mittlerweile bin ich auch dankbar. für diese art von erziehung.

und ökostrom ist nicht unbedingt soooviel teurer. bei mir machens genau 3euro im monat aus. da geht man einen kaffee weniger trinken, einmal weniger freibad oder so.
und man kann wirklich voll und ehrlich sagen: atomkraft - nein danke! (fast)

liebe grüße.

Christoph hat gesagt…

Meine erste Demo war damals "Mütter gegen Atomkraft" im Jahr 1983. Das weiß ich aber nur von Erzählungen meiner Mutter - hab offenbar die gesamte Veranstaltung verschlafen.