Mittwoch, 28. Oktober 2009

Ich beiß dir in den Hals...



Früher, als ich noch bei der Berliner Literaturkritik arbeitete, bekam ich im Wochentakt die Neuerscheinungen auf dem deutschen Buchmarkt nachhause geschickt, um sie zu rezensieren. Seit ich bei einem Stadtportal arbeite, sind diese Zeiten natürlich vorbei - sollte ich Bücher rezensieren, so müssen diese Köln-Bezug haben.

Das kann mitunter sehr kritisch werden: Am Montagmorgen, noch sichtlich verschlafen, fand ich ein schwarzes Buch mit dem Titel "Der Vampir von Melaten" auf meinem Schreibtisch - Geschichten über Vampire in Köln? Sorry, aber das geht gar nicht, ist fast schon eine Beleidigung für meinen literarischen Geschmack. (Auch wenn ich früher keine Folge von "Anton, der kleine Vampir" oder natürlich "Buffy" verpasst habe... *hüst*)

Mir blieb keine Wahl: die Pflicht. Widerwillig öffnete ich die erste Seite, mit dem Vorsatz, das Ganze als interessantes Experiment zu sehen - und blieb hängen! Offenbar ist es das ideale Gegenmittel in Bezug auf den nervigen Magisterstress (während dem ich mich hauptsächlich mit Shakespeare, Wordsworth und Rilke beschäftige), sich einen seichten - stellenweise sehr seichten - Vampirroman einzuverleiben.

Der Inhalt ist schnell erzählt: Gardis, eine mitteljunge Journalistin, braucht dringend eine neue Story (Parallele?). Als sie erfährt dass Luc d'Auber, ein äußerst geheimnisumwobener Pianist, der der Presse noch nie für ein Interview zur Verfügung gestanden hat, in Köln ein Konzert gibt, gibt sie alles dafür, ihn zu sprechen. Klappt auch tatsächlich - nur ist Luc ein Vampir, der auf dem Melatenfriedhof wohnt. Und dann gibt es da noch diesen uralten Vampirjägerorden, der Gardis für seine Zwecke benutzen will...

Herrje, es klingt wirklich schäbig. Aber eine Tasse Tee und ein kuscheliges Sofa passen dennoch ideal zu diesem lokalpatriotischen Büchlein... Und - ich bin mir sicher, dass es unter euch Leute gibt, die sowas gerne lesen! ;)

Kommentare:

Mart hat gesagt…

Bei Låt den Rätte komma in/So finster die Nacht von John Ajvide Lindqvist war ich auch erst äußerst skeptisch. Vampire im Winter in einem Stockholmer Vorort? War dann aber doch sehr gut.

Aber Rüdiger ist noch immer ungeschlagen ;)

stiller hat gesagt…

Erinnert mich an "Zombies im Media-Park". :D