Mittwoch, 12. Januar 2011

Ick bin ne Jute!



Während stundenlanger verkaterter und zielloser Internet-Surferei an Neujahr stieß ich durch Zufall auf die noch in den Kinderschuhen steckende Seite von Sebastian Schmidt: Jute Beutel. Die guten alten Stoffklassiker eignen sich zwar immer noch besonders gut dafür, die angesammelten Pflandflaschenberge zum Supermarkt zu tragen, haben mittlerweile aber das piefige Öko-Image aus den 1980er Jahren gegen einen gewissen Szene-Status ausgetauscht.

Sebastian hat die Chance ergriffen und fertigt nun seine eigenen Beutelchen mit teilweise wundervoll ironischen Motiven und Sprüchen. Weil er zudem in Köln wohnt und arbeitet, habe ich ihm mit einem kleinen Interview (nach dem Klick) ein bisschen auf den Zahn gefühlt. Mein persönlicher Favorit ist übrigens die obige Schnurrbart-Tasche - alle anderen Designs findet ihr in seinem Dawanda-Shop.



Wann und wie bist du auf die Idee gekommen, Jutebeutel zu bedrucken und zu verkaufen?
Das Label "jute Beutel" gibt es erst seit Anfang August. Bald feiern wir Halbjähriges ;) Entstanden aus einer Laune in den Ferien heraus, wollte ich ursprünglich nur für mich einen Beutel genau nach meinen Vorschlägen gestalten. Gesagt - Getan! Nachdem ich aber von vielerlei Seite auf diesen Beutel angesprochen und gefragt wurde in welchem Store ich ihn gekauft habe, habe ich diesen ersten Beutel auf meiner Facebookseite präsentiert und ziemlich rasant verkauft. Die Ferien waren noch lang und so ergab es sich, dass ich immer mehr und unterschiedliche Beutel entworfen und mir eigene Vertriebmöglichkeiten gesucht habe.

Von der nützlichen Einkaufshilfe zum Hipster-Kultobjekt – wie erklärst du dir diesen rasanten Aufstieg des guten, alten Jutebeutels?
Ich glaube, genau das ist eines der Geheimnisse von Trends. Anders als bei vielen Modetrends, die aufgrund ökonomischer Interessen von der Industrie inszeniert und vom Publikum übernommen werden, ist der Beutel als sogenannte „It-Bag“ ein Trend der Straße, aus Clubs und Cafés. Möglicherweise sogar ein bewusster Trend gegen die Wirtschaft. Schließlich spielen viele Motive und Slogans häufig ironisch auf Haute Couture-Labels an. Mode muss halt nicht immer teuer sein. In diesem Fall ist sie sogar noch umweltfreundlich.

Woher nimmst du die Inspiration für die Muster und Sprüche auf den Taschen?
Inspirationen für die Motive und Muster der Beutel sammel ich auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Musik, Filme, Kunst, Zeitschriften aber besonders die Menschen auf den Straßen, in Clubs und Cafés, also in ganz alltäglichen Situationen, inspirieren mich.

Welche ist deine Lieblingstüte?
Das wechselt fast wöchentlich. Momentan trage ich unheimlich gerne den Retrobeutel Mixtape mit dem Kassettenprint. Den finde ich ziemlich lässig!

Wie viele Designs hast du momentan im Angebot?
Aktuell habe ich 12 unterschiedliche Designs im Angebot. Weitere Designs sind bereits entworfen und werden in Kürze ihren Weg auf die Beutel finden.

Wie lange benötigst du für den Druck einer einzelnen Tüte? Mit was für Farben arbeitest du?
Da ich die Beutel mittlerweile im Siebdruckverfahren produziere, nimmt der reine Beuteldruck inzwischen weniger Zeit in Anspruch als noch vor einigen Monaten, als ich die Beutel noch mit der Hand bemalte. Deutlich mehr Zeit geht jetzt allerdings für die Vorbereitung und die nachträgliche Behandlung (Ausbessern kleiner Schönheitsfehler im Druck, Bügeln, etc.) der Beutel sowie für die Herstellung einer Vorlage und eines Druckrahmens drauf, der mit spezieller Fotoemulsion behandelt und mit UV-Licht belichtet wird.

Was hast du für die Zukunft von „Jute Beutel“ geplant?

Neben der Optimierung der aktuellen Designs, wird es auch immer wieder Beutel mit neuen Motiven und Sprüchen geben. Der Ideenvorrat ist noch prall gefüllt ;) Momentan habe ich naturfarbene, schwarze und graue Beutel im Programm. „jute Beutel“ wird 2011 Farbe bekennen und somit werden unsere Designs demnächst auch auf farbigen Beuteln erhältlich sein.
Auch wird bald eine neue, uns allen bekannte – jedoch noch streng geheime – Beutelform ins Sortiment aufgenommen. Eine T-Shirt-Kollektion ist ebenfalls geplant. Man darf sich also überraschen lassen

Wie sieht die bisherige Resonanz auf dein Projekt aus?
Die Resonanz ist unglaublich positiv. Als ich das Projekt, eher spontan und als Freizeitbeschäftigung in den Ferien, an den Start gebracht habe, hätte ich niemals erwartet, dass meine Arbeiten auf so viel Begeisterung stoßen würden. jute Beutel hat mittlerweile über 400 jute Freunde auf der Facebookpage, bekommt tolle Reaktionen über den Blog und den Onlineshop auf DaWanda und wird auch unglaublich nett durch Online&Printmedien supportet. Vielen Dank!

Wie sieht ein normaler Arbeitsalltag bei dir aus?
Der ist meist ziemlich lang und will gut organisiert werden. Ich mache momentan mein Referendariat zum Lehrer und habe daher natürlich neben der regulären Arbeitszeit auch viele Prüfungen abzulegen, auf die ich mich vorbereiten muss. Die restliche Zeit verbringe ich überwiegend hinter der Siebdruckmaschine, am Zeichenbrett, am Rechner oder in der Postfiliale. Ein halbwegs funktionierendes Zeitmanagement ist Alles! Dadurch kann ich beide Jobs genießen!

Wo ist dein Lieblingsort in Köln? Und in Berlin?
In Köln gehe ich gern in die Cafés und Bars rund um den Brüsseler Platz. Zum Feiern mag ich die Clubs am Heliosgelände in Ehrenfeld gerne.
In Berlin besuche ich gern den Türkenmarkt am Maybachufer in Kreuzberg oder den Mauerpark. Im Sommer ist das Badeschiff an der Mediaspree toll!

Wie lautet dein Lebensmotto?
Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. (Friedrich Nietzsche)

Vielen lieben Dank, Sebastian!

1 Kommentar:

annina hat gesagt…

Liebes Fräulein Julia, vielen Dank für das Interview! Trifft sich gut, dass Jute-Beutel jetzt wieder in Mode kommen - GIRLS CAN BLOG hat neulich nämlich auch welche gemacht: http://girlsblogtoo.blogspot.com/2010/12/new-girls-can-blog-bags.html

Liebe Grüße!
Annina